Wuppertal wie es ist 1/3: Unterirdisches

Weihnachten mal einen Spaziergang über die Hardthöhe machen? Ein wenig Bewegung nach dem leckeren Entenbraten, den vielen Zimtsternen, Dominosteinen und Omas legendärem bunten Teller mit den obligatorischen Datteln?

Gut, das klingt jetzt nicht besonders originell, aber was wird, wenn man aus dem „über“ ein „in“ macht? Wie bitte, ein Spaziergang IN die Hardthöhe? Das geht auch? Die Antwort lautet in der Tat ja, wenn auch nur theroetisch, denn öffentlich zugänglich sind die Höhlen der Hardt natürlich nicht mehr.

Die Entdeckung dieser Höhlen wurde, wie bei vielen anderen archäologischen Funden auch, zufällig gemacht, und zwar im Jahre 1881. Eine Gärtnerei hat nach Grundwasser gebohrt und stieß dabei auf die untere Höhle und es dauerte noch bis 1904, ehe bei Kanalbauarbeiten die obere Höhle entdeckt wurde. Stefan Voigt vom Arbeitskreis Kluterthöhle e.V. übernahm vor einigen Jahren das riskante Unterfangen, beide Höhlen mit dicken Plastikrohren zu verbinden. Er erklärt, dass es sich bei der Hardt um Höhlen handele, die nicht durch einen Fluss entstanden sind und deswegen eigentlich nirgendwohin führen. Daher sei an der Legendenbildung, nach der behauptet wird:: „die Hardthöhle geht bis da und da“ oder „mein Opa ist unterirdisch durch den ganzen Berg gegangen“, nichts dran.

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Etwas weiter außerhalb des Stadtgebietes in der Nähe der Industriestraße liegt die ebenfalls von Voigt im Jahre 1999 entdeckte Erdmännkeskuhle. Der Höhlenforscher verfolgte die Spur eines Flusses im Stadtteil Sonnborn. Auf dem Acker wurde er dann von einem Anwohner angesprochen. Als Voigt erklärte, was er da mache, nahm der Nachbar das Wort „Erdmännkeskuhle“ in den Mund. Sofort klingelte es beim Höhlenforscher, denn früher gab es ja viele Sagen über Erdmännchen, Zwergen, Trolle und dergleichen. Speziell über diese Stelle gab es aber keine Literatur. Der entsprechende Schacht wurde ausgegraben und nachdem eimerweise Lehm beseitigt worden war, kam eine ca. 8 Meter lange Tropfsteinhöhle zum Vorschein, in der die Forscher auch noch Tier- und Menschenknochen vorfanden. Voigt spricht von der „schönsten Höhle Wuppertals bis dato“.

Im Jahre 2000 wurde die Höhle, nachdem das Team ein Tor davor gesetzt hatte, jedoch aufgebrochen. Aus reiner Profitgier wurden die kostbaren Tropfsteine abgeschlagen. Anzeige wurde erstattet, nach vier Wochen stellte die Staatsanwaltschaft das Verfahren zunächst ein, als dann aber die Presse informiert wurde, mehrten sich die Hinweise und die Täter konnten überführt werden. Sie hatten tatsächlich versucht, die Steine im Internet zu verkaufen.

Doch der Höhle haftete weiter Unglück an, nach dem Diebstahl hatte eine in der Nähe gelegene Spedition ihren Müll darin abgeladen. Obwohl die Täterfrage völlig eindeutig war, kam es zu keinem Verfahren und letztendlich musste die Allgemeinheit für die Sanierung aufkommen.

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Kommen wir nun von natürlich entstandenen unterirdischen Hohlräumen zu den künstlichen. Der Bunker Brausenwerth liegt unter dem (ehemaligen) Busbahnhof an der B7. Bis 1960 heiß der gesamte Platz vor dem Döppersberg noch Brausenwerth (Braus der Name einer ehemals dort ansässigen Familie, Werth bedeutet Flußinsel), heute erinnert noch die rätselhaft vom Hofkamp in einen Innenhof führende Brausenwerther Gasse an damalige Zeiten.

Der Eingang zum Bunker befindet sich auf dem kleinen, unscheinbaren Grünstreifen zwischen Bürgersteig und Wupperufer. Errichtet wurde er als zweiter Tiefschutzbunker nach seinem Pendant unter dem Neumarkt in den Jahren 1940 bis 1942. Nach einer umfassenden Sanierung Ende der 80er Jahre bietet er nunmehr ein Fassungsvermögen von rund 1000 Personen.

Im Rahmen der Veranstaltung Wuppertal-24h live war es zuletzt möglich, das unterirdische Gemäuer zu besichtigen. Dabei kann man die klaustrophobischen Zustände, die bei voller Belegung dort geherrscht haben müssen, höchstens erahnen. Dabei diente der Bunker nicht zur als Zuflucht in den Zeiten der Bombardements, auch noch lange nach dem Krieg, bis in den Anfang der 50er Jahre hinein, diente er vielen Flüchtlingsfamilien als Heimstatt. Manche harrten dort mehrere Monate, andere gar Jahre aus.

Ein weiterer, in der Öffentlichkeit allerdings weit weniger bekannter Zufluchtsort befindet sich auf der Anhöhe der Paradestraße. Die Evangelisch-Lutherische Gemeinde St. Petri besitzt dort ihr Areal, mit Kirche, Gemeindehaus und Seniorenresidenz. Die alte Kirche ist bei dem Bombenangriff auf Elberfeld 1943 zerstört worden, und dennoch hat sie mehreren Menschen und Familien das Leben gerettet, weil sich unter ihr ein – wenn auch nicht als solcher geplanter – Luftschutzkeller befindet. Erklimmt man die Paradestraße von der Gathe aus gesehen, kommt man auf der rechten Seite an einer längeren Backsteinmauer vorbei. An den beiden Enden dieser Mauer findet man den Eingang zu diesem Keller vor, auf der linken Seite ist heute noch eine Eisentür zu erkennen, während der Eingang auf der rechten Seite zugemauert ist. Ein auf der Internetseite der Gemeinde frei zugänglicher und sehr bewegender Augenzeugenbericht kündet davon, wie diese beiden Türen im Inneren miteinander verbunden sind.

Doch damit nicht genug der unterirdischen Attraktionen. Auch wenn diejenigen, die ihn besuchen durften, ihm den Flair eines Luftschutzkellers attestieren, ist der auf dem Nützenberg befindliche Sadowastollen zur Trinkwasserversorgung konstruiert worden. Hierzu sollte man wissen, dass das Wuppertaler Trinkwasser in Brunnen und den umliegenden Talsperren gewonnen und in den Wasserwerken der Stadt aufbereitet wird. Dieses Konzept wurde bereits in den 1870er Jahren entworfen und hat bis heute Bestand. Damals entstand das Elberfelder Wasserwerk in Düsseldorf Benrath und machte so einen größeren Wasserspeicher auf dem Wuppertaler Stadtgebiet notwendig. Hierfür schien der Nützenberg gut geeignet und der Besitzer der Anlage, der Elberfelder Verschönerungsverein stellte den Konstrukteuren die Auflage, „die Mündung des Tunnels dekorativ auszugestalten.“ Das Ergebnis läßt sich heute noch an der Ecke Sadowastraße/Am Buschhäuschen bewundern. Eine umfangreiche Restauration dieses Portals hat zuletzt 1995 seitens der Stadtwerke stattgefunden.

Als der Stollen 1872 fertig war, wies er eine Länge von 720 Metern und ein Fassungsvermögen von 4500 Kubikmetern auf. Es war der folgenden Bevölkerungsexplosion der Stadt Elberfeld geschuldet, daß sich der Stollen schon bald als zu klein erwies. Die heutigen Dimensionen sind ganz andere: die Wuppertaler Stadtwerke verfügen nunmehr über Speichermöglichkeiten für Trinkwasser von über 127.000 Kubikmetern. Der Sadowastollen wird daher nicht mehr als Wasserreservoir, sondern als Rohrleitungsstollen genutzt.

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